ONUR YASER CAN

Lebensgeschichte

Kindheit

 
Unser Sohn Onur Yaser Can, ein hübscher Junge, wurde am 3 Juni 1982 geboren. Seine Eltern hatten sich auf der Universität kennengelernt und verliebt, wo sie am gleichen Fachbereich studierten. Sein Vater stammt aus Hatay - Samandağ und seine Mutter aus Muğla - Milas.
 Seine Mutter lebte seit 1964 in Ankara, wohin ihre Eltern umgezogen waren, noch bevor sie eingeschult wurde.  Da sein Vater aus nicht wohlhabenden Verhältnissen stammte, verließ seine Heimatstadt mit 14, um finanziert über ein Stipendium als Internatsschüler eine Schule zur Lehrerausbildung zu besuchen. Zum Studium ging auch er später nach Ankara. Seine Eltern waren am Fachbereich für Ökonomie der Hacettepe Universität Kommilitonen. Nach dem Studium blieben sie in Ankara. Sein Vater trat in den Staatsdienst ein während seine Mutter weiter nach Arbeit suchte. Sie legten Wert darauf Yaser zu einem guten Bürger zu erziehen. Im Jahr 1983 wurde seine Mutter auch verbeamtet, weshalb eine Tagesmutter auf Yaser aufpasste, seit er siebeneinhalb Monate alt war. Er besuchte eine Kindertagesstätte ab dem Alter von eineinhalb Jahre und verbrachte seine Frühkindheit, bis ins Alter von vier Jahren in Ankara. Nachdem sein Vater im Jahr 1986 bei einer türkischen Firma in Irak/Bagdad zu arbeiten anfing, zog Onur Yaser mit seinen Eltern dort hin. Dort besuchte Onur Yaser die internationale Schule der Vereinten Nationen, vom Kindergarten bis zur dritten Klasse der Grundschule lernte er Englisch. Die Sprache in der er zunächst Lesen und Schreiben lernte. Nachdem sich die wirtschaftliche Lage der Familie verbesserte, entschlossen sich seine Eltern ein weiteres Kind zu haben. Am 25 Oktober 1987 wurde seine Schwester geboren. Trotz des damaligen Iran-Irak Kriegs, gelang es seinen Eltern ihren Kinder eine behütete Umgebung zu bieten. Onur Yaser war Eifersucht fremd, auch nicht auf seine kleine Schwester. Er wuchs auf als ein gesundes, glückliches und lachendes Kind. Als sich die Auftragslage wegen des Krieges immer weiter verschlechterte, kehrte die Familie schließlich 1989 nach Ankara zurück. 

 

Die Schuljahre


Zurück Ankara besuchte Onur Yaser seine ersten zwei Schuljahre (1989-1990) das private Aykan College, während seine Eltern weiter im privaten Sektor arbeiteten. Seinen Grundschulabschluss machte er an der Ahmet Vefik Paşa Grundschule (1990-1993). Bei den Zulassungsprüfungen für das Gymnasium schnitt er so gut ab, dass er ab 1993, wie er es sich erhofft hatte das renommierte Gazi Anadolu Lisesi besuchen konnte, das er von 1993 bis zu seinem Abschluss im Jahr 2000 besuchte. Während seiner Schulzeit wurde er fortwährend für seine sehr guten Leistungen ausgezeichnet. Alle Lehrer-/-innen von Onur Yaser, sei es in Bagdad oder in Ankara, erinnern sich an einen besonders fleißigen, schlauen, disziplinierten, netten und freundlichen Schüler. Seine Eltern, die ihn so nett, wohlerzogen und freundlich erzogen haben, bekamen dafür viel Anerkennung.


 

Universität


Obwohl ihm sein hervorragendes Abschneiden bei der zentralen Zulassungsprüfung zur Universität (er war der 2100ste in der ganzen Türkei), entschloss er sich Architekt zu werden. Von den zur Auswahl stehenden Studienorten, entschied er sich für ein für die Architektur Fakultät der Middle East Technical University (ODTÜ), wo er sein Studium jedoch bereits nach einem Jahr unterbrach um ein Auslandsstipendium anzutreten.

Im Rahmen eines AFS-Stipendiums verbrachte er ein Jahr in Belgien/Brüssel, wo er an der Hochschule der Schönen Künste Saint Lucas Kunst studierte und das Zeichnen lernte. Außerdem lernte er Flämisch. 
Onur Yasers Zeichentalent, das sich schon in seiner Kindheit und bei einigen Schulausstellungen und Zeichenwettbewerben zeigte, blieb auch in Brüssel nicht unentdeckt. Man riet ihm Zeichner zu werden. Seine Eltern, als auch seine Gastfamilie in Brüssel, überzeugten ihn jedoch sein Studium in Ankara wieder aufzunehmen. Seine Gastfamilie in Brüssel mochte Onur Yaser sehr und spricht von ihm auch heute noch als ein „Geschenk des Lebens für ein Jahr“. Darüber hinaus verbrachte er während seines Architektur-Studiums als Austauschstudent im Rahmen des Erasmus-Programms ein weiteres Jahr an der Universität von Bari in Italien, wo er Italienisch lernte. 
Onur Yasers hatte seit seiner frühen Kindheit großes Interesse an Musik und war  überaus musikalisch, was er während seines Studiums weiter vertiefte. Er spielte Schlagzeug, Bendir, sowie andere Perkussionsinstrumente, aber auch Gitarre und die türkische Saz. Gemeinsam mit seinen Freunden gründete er eine Band mit der er Zahlreiche Auftritte hatte. 

Es war ihnen wichtig, die Freude, die sie beim spielen empfanden, auch ihrem Publikum zu vermitteln. Ihre Musik war für sie Seelennahrung. Die Zuneigung seiner Familie, seine Ausbildung, seine erfolgreiche schulische Laufbahn sowie seine Leidenschaft für Kunst führten dazu, dass Onur Yaser mit seiner Familie, Verwandten, Nachbarn, Freunden und allen Menschen ehrliche und loyale Beziehungen aufbaute. Außerdem wurde er zu einem Bürger, der sich für die Probleme in seinem direkten Umfeld und in seinem Land sowie auf der Welt interessierte. Ansonsten schwamm er auch sehr leidenschaftlich.
 In den ersten Jahren seines Studiums trat er der ODTÜ-Wasserballmannschaft bei. Am Ende seines Studiums absolvierte er erfolgreich die Ausbildung zum Taucher bei der ODTÜ-Unterwasser-Sport-Gemeinschaft. Das Tauchen war eine Leidenschaft, die er auch nach seinem Studium weiter verfolgte, bei zahlreichen Tauchgängen in die blauen Tiefen des Mittelmeeres. Seine durchtrainierte Physiognomie sowie seine attraktives Äußeres machten ihn bei Mädchen schon früh beliebt. Er war immer  treu und ehrlich sowie nie egoistisch oder verletzend. 

Er war sprachbegabt, beherrschte  Englisch, Flämisch und Italienisch, liebte es zu reisen; durch viele Länder Europas, des Nahen Ostens, Amerikas und Nordafrikas. Er war ein fröhlicher und gesunder junger Mann. Aufgrund seines Aufenthaltes im Ausland für zwei Jahre im Rahmen des AFS- und ERASMUS-Programmes verlängerte sich Onur Yaser’s Studienzeit an der ODTÜ, die er 2009 absolvierte mit einem Durchschnitt von 2.97.

Onur Yasers Berufsleben


Bereits während seines Universitätsstudiums arbeitete der Onur Yaser in unterschiedlichen Architektur-Büros an unterschiedlichen Projekten mit. Er wurde für seine Intelligenz, Vorstellungskraft, künstlerischen Begabung, Konzentrationsfähigkeit und seine Fleißes sowohl von Vorgesetzten als auch von Mitarbeitern überaus geschätzt. Zusammen mit einem Architekten-Team, zu dem Onur Yaser als Architektur Student sowie Mehmet Aksoy als berühmter Skulpteur gehörte, belegte er bei dem Ideenwettbewerb „Die Erinnerung an die Schlacht von Sarıkamış“ den dritten Patz. Für diesen Erfolg wurde Onur Yaser vom türkischen Kulturministerium mit einer Urkunde und einer Geldprämie ausgezeichnet.
 Den Vorschlag daraufhin mit finanzielle Unterstützung seiner Familie seine Karriere in den USA oder in Europa fortzusetzen, lehnte Onur Yaser ab. Er begründete diese Entscheidung mit diesen Sätzen: „Falls ich ins Ausland gehe, müsste ich vielleicht wie mein Onkel auswandern. Ich will in meiner Heimat bleiben und sehen, was ich hier machen kann. Ich will meinem Land Nutzen bringen. Falls ich es nicht schaffe, werde ich mir die Idee, ins Ausland zu gehen, noch einmal überlegen“. Nach dem Abschluss seines Studiums im Jahr 2009 zog er im November nach Istanbul, um eine Arbeit zu suchen. Er glaubte, dass er in Istanbul größere Chancen habe.
 In Istanbul kündigte er zunächst im Dezember 2009 und im Januar 2010 seine Arbeit in zwei unterschiedlichen Firmen, da er die Arbeitsatmosphäre nicht mochte. Nachdem er bei seiner nächsten Firma (Plan A Architektur) im Januar 2010 fand er schließlich wonach er suchte. Hier arbeitete Onur Yaser bis zum Mittwoch, den 23. Juni 2010. In dieser  Nacht  kam er um 02:05 um sein Leben. Mit ihm wurde auch sein fortwährendes der Erde übergeben.

 


Ein Sohn, Ein Bruder, Ein Freund

 
Unser lieber Sohn wurde am 3. Juni 1982 in eine Welt voller Liebe und Fröhlichkeit geboren. Er brachte uns Freude. Wir hatten  das Glück, die Eltern eines so schönen Babys sein zu dürfen. In seinem kurzen Leben war er ein wunderbarer Sohn. Immer wenn  er „Mutter“, „Vater“, oder „Schwester“ sagte, strahlte er Freude aus. 
Unser Sohn entwickelte sich zu dem Menschen, der er war, weil wir ihn in seiner Kindheit und Jugend immer Schutz und Geborgenheit gaben und ihn liebevoll großzogen. Er war ein freundlicher, philanthropischer, selbstbewusster und ehrlicher junger Mann, der sich mit dem Leben tief und sinnvoll verbunden fühlte.
Unser Sohn war schon immer sehr großzügig. Von seiner frühen Kindheit bis zu seinem 28. Alter hat er sich in seinem Leben jegliche Mühe gegeben. Schon als Baby mit siebeneinhalb Monaten hatte er eine Pflegemutter, da die eigene Mutter ihrem Beruf nachgehen musste. Mit 15 Monaten ging er in die Kinderkrippe. Auch da konnte er sich schnell an die Umstände anpassen.
 Mit vier Jahren ging er ins Ausland und besuchte dort einen englischsprachigen Kindergarten. Auch hier strahlte er stets Freude aus.
 Unser Onur Yaser war in seinem Schulzeit sowie in jedem Abschnitt seines Lebens immer zufrieden und glücklich. Er hatte in seinen 28 Lebensjahren, auch in seiner Pubertät, kein einziges psychologisches Problem. Er führte ein gesundes und starkes Leben bis zu seiner Festnahme am 2. Juni 2010 durch die Polizeibeamten.
 Unser geliebter Onur Yaser lebte sehr leidenschaftlich. Jedoch musste er sehr jung von seinem Leben Abschied nehmen. Ihm wurde die Möglichkeit verwehrt, das Leben zu genießen, sich zu verlieben, zahlreiche Werke zu schaffen und seine eigenen Kinder großzuziehen. Nicht nur wir die Türkei hat eien erfolgreichen, wunderbaren Sohn verloren.
 Unsere Kinder sollten nicht so erbarmungslos in den Tod geschickt werden. Die Mütter und Väter sollen nicht zusehen müssen, wie ihre wertwollen Söhne und Töchter begraben werden. Auch die Geschwister sollen mit so einem Schmerz nicht leben müssen.
 Unser Sohn hat uns mit seiner Existenz und seinem Lebensstil immer beehrt. Er ist und bleibt in unseren Erinnerungen immer noch als der 28jährige junge Mann und wird nie alt werden. Wir sind sehr stolz auf ihn und lieben ihn über alles.
 Es sind nun zwei lange Jahre und acht Monate ohne ONUR vergangen, die schmerzhaft und mit Erinnerungen voll waren.  Dieser Schmerz und die Sehnsucht nach unserem Sohn vermehren sich jeden Tag mehr!

 

Seine Mutter und sein Vater.


Hatice Can & Mevlüt Can